30 Jahre Zimmerei Nis-Richard Richardsen

Nis-Richard Richardsen begann vor drei Jahrzehnten auf einer Fläche von 28 Quadratmetern in einer Auto-Garage

Annähernd vier Hektar groß ist das Betriebsgelände der „Zimmerei Richardsen“ und der „Holzhäuser Richardsen GmbH“ in Langenhorn. Das riesige Areal gehört Nis-Richard Richardsen, der 1980 ganz klein in einer Garage von 28 Quadratmeter mit der Gründung eines Zimmerei- Betriebs anfing. „Ich hatte damals ein Auto und kaufte mir einen Anhänger. Abgezimmert wurde auf dem Rasen“, erinnert sich der Unternehmer. Gespräche mit Lieferanten fanden in der Küche statt. War er anfangs alleine für die Kunden unterwegs, stellte er nur wenig später seinen ersten Gesellen ein: Karl-Johann Petersen, genannt „Katsche“. Der Ockholmer ist immer noch in dem Unternehmen beschäftigt, das inzwischen weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt ist.

„In der Rückschau ist es eine kurze Zeit, in der viel bewegt worden ist“, sagt Nis- Richard Richardsen, der die Zimmerei seit nunmehr drei Jahrzehnten betreibt. Anfangs führten die beiden Handwerker Reparaturarbeiten aus und richteten kleine Dachstühle in Nordfriesland. Der erste große Auftrag war der Bau von acht Rentnerwohnungen in Schwabstedt. Das Material wurde direkt zur Baustelle geliefert. „Das war damals viel Geld wert, und ich dachte nur: Hoffentlich wird es nicht geklaut.“ Nach Abschluss der Arbeiten kaufte er sich einen neuen gelben Lieferwagen – die Farbe tragen inzwischen alle Firmenfahrzeuge. 1981 pachtete er einen Resthof in Addebüll mit 5000 Quadratmetern Grundfläche, ein Jahr später stellte er seinen ersten Lehrling ein. 1984 zog der Jungunternehmer mit seinem Gewerk in die Dorfstraße 208. Dort entstanden auf einem 3500 Quadratmeter großem Grundstück Wohnung und Werkstatt. Zwei Jahre später waren bereits ein Meister, sechs Gesellen und vier Lehrlinge für den gebürtigen Fahretofter tätig. Zudem kaufte er einen Resthof, gleich neben dem Betriebsgelände.

Einen kurzen, ungewollten Zwischenstopp auf der Erfolgsstrecke musste Nis- Richard Richardsen nach einem Sturz vom Dach einlegen: Ein doppelter Fersenbruch fesselte ihn vorübergehend an den Rollstuhl. „Es war eine schwere Zeit. Ich verlegte das Büro von Langenhorn ins Krankenhaus nach Flensburg. Meine Frau fuhr zweimal täglich als Expressbotin hin und her.“ Danach konnte er zwar nicht mehr als Handwerker mit anpacken, kümmerte sich aber weiterhin um die geschäftlichen Belange.

1986 bekam das Unternehmen seinen ersten Bauauftrag in Berlin. Viele weitere folgten, und von 1988 bis 1991 war die Firma auch in der Metropole ansässig. Altbau- Sanierungen standen im Vordergrund. Mit Öffnung der Mauer wurden vermehrt Betriebe aus den neuen Bundesländern aktiv, so dass sich der Langenhorner wieder voll und ganz den Aufträgen in der Heimat widmete.

Naturstoff Holz ist seine Spezialität

Von den ersten Entwürfen bis zur Schlüsselübergabe – beim Hausbau greift Richardsen gern auf Handwerker aus der Region zurück.
Heute ist sich Nis-Richard Richardsen sicher, dass der Grundstock für den Langenhorner Betrieb in Berlin gelegt worden ist. Den Anforderungen des Marktes entsprechend gründete der Zimmerermeister Mitte der 1990er Jahre die „Holzhäuser Richardsen GmbH“ als zweites Standbein. Aufgrund der großen Nachfrage wurden weitere Mitarbeiter eingestellt und der Betrieb vergrößert. Es entstanden Hallen für die Produktion – „die beste Investition, die ich gemacht habe“ – für Lagerung, Abbund und zur Kommissions-Lagerung.
Die „Holzhäuser Richardsen GmbH“ ist Mitglied im Verband „Bundesgütegemeinschaft Montagebau und Fertighäuser e. V.“ und wird durch die Materialprüfanstalt für das Bauwesen in Hannover ständig überwacht. Damit ist die gleich bleibende Qualität– als wichtiges Merkmal für die Kunden – garantiert. Jährlich produziert der Langenhorner Betrieb aus dem Naturstoff Holz etwa 80 Häuser, die bundesweit aufgestellt werden. Sogar in Antigua in der Karibik steht eines von ihnen. Sowohl für den privaten als auch für den gewerblichen und industriellen Bedarf werden die Objekte individuell und schlüsselfertig geplant und gefertigt. Nis-Richard Richardsen greift bei den einzelnen Bauvorhaben gerne auf regionale Handwerker zurück. „Ich versuche, die Arbeiten im Dorf zu vergeben“, erzählt er. Das Hauptaugenmerk ist nach wie vor auf die Zimmerei gerichtet. Im Bereich Altbausanierungen werden Häuser und Wohnungen zum Teil total entkernt, neu gestaltet und den heutigen, energetischen Standards angepasst. Mit Kompetenz und Kreativität durch die Fachleute des Langenhorner Unternehmens sowie nach den Vorstellungen und Ideen der Kunden werden Pläne für Um- und Anbauten sowie Modernisierungen und Sanierungen erstellt. Beim Bau von Hallen für die Landwirtschaft und für Gewerbe ist das Unternehmen ebenfalls sehr gefragt.
Zum Einzugsgebiet gehören ganz Schleswig-Holstein, Hamburg und Teile Niedersachsens. Täglich sind über 80 Mitarbeiter für Nis-Richard Richardsen tätig. „Er kennt alle und weiß sogar die Geburtstage jedes einzelnen“, erzählt „Katsche“ Petersen. Ihm macht die Arbeit Seite an Seite mit dem „Chef“ nach wie vor Spaß. Das Betriebsklima ist sehr gut, langjährige Mitarbeiter zeugen davon.
Auch die Lieferanten sind begeistert von der angenehmen Zusammenarbeit mit dem Unternehmer. „Ich kann mich gut daran erinnern, als auf einer Baustelle eine falsche Lieferung ankam“, so Ove Singelmann von CG Christiansen aus Husum. Einen „Anpfiff“ habe es nicht gegeben. „Lad’ man erst mal ab und sieh zu, dass die richtige Lieferung schnell nachkommt“, habe es nur geheißen. Ruhe, Fairness und Besonnenheit wird Richardsen von unterschiedlichsten Stellen bescheinigt.
Der Preis ist hoch, denn Freizeit ist für die Familie ein Fremdwort. Der Chef ist der erste und oft der letzte im Büro, freie Wochenenden sind hart erkämpft. Nur gut, dass er mit Ehefrau Christa eine starke Partnerin an seiner Seite hat. Auch sie ist ein Multitasking-Talent und weiß ihre Zeit gut zu nutzen. Bis Mai diesen Jahres leitete sie das Langenhorner Restaurant „Op de Hörn.“ Ein verheerender Brand zerstörte das mit Reet gedeckte Gebäude komplett. Die Frage, noch einmal von vorne anzufangen, stellt sich für Christa Richardsen nicht. Das Ehepaar will zukünftig etwas kürzer treten.
Die Nachfolge für den Handwerksbetrieb ist mit den Söhnen Sönke und Nils gesichert. Beide engagieren sich vor Ort und machen sich an Vaters Seite fit für die Zukunft. Während Sönke bereits Geselle im Zimmererhandwerk ist, befindet sich Nils derzeit in der Lehre zum Zimmermann. Die Familie komplett machen außerdem Tochter Gesa und Christa Richardsens Söhne Heiko und Hans-Joachim sowie Tochter Sandra, deren Partner und Kinder – ein großer Verbund, der zusammenhält und der den Unternehmer für den Alltag stark macht.

Fairness wird groß geschrieben

Kollegen und Mitarbeiter betonen beim Empfang zum Jubiläum die fachlichen und menschlichen Qualitäten Richardsens
Die Zimmerei von Nis-Richard Richardsen feiert in diesem Jahr ihr 30jähriges Bestehen. Ein guter Grund, um die Öffentlichkeit zu einem „Tag der offenen Tür“ auf das Betriebsgelände in der Dorfstraße 208 einzuladen. Am Sonnabend (25.) bietet das Unternehmen Interessierten die Gelegenheit, sich von 10 bis 16 Uhr einen Blick hinter die Kulissen zu verschaffen und sich vor Ort zu informieren. In dem neu eröffneten Kunden-Informationszentrum stehen Projektleiter für eine Beratung rund um den Neubau zur Verfügung. An Kinder ist mit einem „Holzhäuser-Richardsen- Malwettbewerb“ gedacht und für das leibliche Wohl ist gesorgt.
Mit der Familie, Freunden und Geschäftspartnern haben Christa und Nis-Richard Richardsen bereits auf das Ereignis im Rahmen eines Empfangs angestoßen. Eigens dafür wurde ein Teil des Stalls umgebaut. Der restliche Stall bleibt nach wie vor den 80 Rindern vorbehalten. In Anspielung auf seine Liebe zur Landwirtschaft erhielt Nis-Richard Richardsen von einem seiner Geschäftspartner, Detlef Christiansen von bauexpert Christiansen aus Niebüll, eine Kuh mit Kalb geschenkt. „Durch die Aufträge wachsen auch unsere Betriebe“, meinte Detlef Christiansen. Die Zusammenarbeit mit Nis-Richard Richardsen bezeichnete er als „fair“. Das sei in der heutigen Zeit eher eine Seltenheit.
Das Wort „fair“ kam in nahezu allen Reden vor. Rickmer Topf aus Husum hatte sich zuvor von seinen Mitarbeitern ein allgemeines Meinungsbild über Nis-Richard Richardsen eingeholt. „Dass ist ein Mann, den wir bewundern. Für ihn würden wir uns ein Bein ausreißen“, so das Resümee.
Davon, dass nicht nur Baukonjunkturphasen und Umstände das Langenhorner Unternehmen so weit gebracht haben, war Hajo Dethleffsen aus Bredstedt (HBK) überzeugt. „Persönlichkeit und Menschlichkeit haben dir das ermöglicht. Deine Mitarbeiter sind hochmotiviert und arbeiten eigenverantwortlich. Du hast den Rahmen dafür geschaffen, es ist wirklich beeindruckend, was du erreicht hast“, so Dethleffsen. Eine intakte Familie sei außerdem die Basis für gute Arbeit.
Mit der Formel 1 verglich Ove Singelmann von CG Christiansen aus Husum die 30jährige Leistung der Langenhorner Zimmerei. „Wer dich und die Mannschaft kennt, hat Respekt“, brachte er es auf den Punkt. „Du bist immer persönlich ansprechbar und stehst hinter deinen Mitarbeitern. Wir alle sind stolz, mit dir zusammenzuarbeiten.“ Marten Rickersten, Vorsitzender vom Langenhorner Gewerbeverein, machte deutlich, dass viele regionale Betriebe von Richardsen profitieren. „Du hast unheimlich viele Ideen und hast immer ein offenes Ohr.“
Bürgermeister Horst Petersen überbrachte die Glückwünsche der Gemeinde. „Deine Firma ist ein Aushängeschild für Langenhorn und hat großes Potenzial an Wirtschaftskraft.“ Mit den Worten „alleine ist man gar nichts, nur gemeinsam ist man stark“ sprach er das innige Verhältnis des Ehepaars Richardsen an. „Zwei Menschen haben sich gefunden, und sind füreinander da.“ Der Bürgermeister bedankte sich für das, was der Unternehmer bisher in Form von Spenden für die Allgemeinheit getan hat. „Möge die Erfolgsgeschichte noch lange anhalten“, sagt er.

Qualifizierte Ausbildung für den Nachwuchs

Vom Vorstand der Husumer Kreishandwerkerschaft überbrachten Kreishandwerksmeister Kurt Burandt und Gustav Schmidt, Obermeister der Bauinnung Husum- Eiderstedt, Glückwünsche. „Ein stolzes Jubiläum und ein großer Tag. Es ist der Erfolg aus 30 Jahren harter Arbeit, der heute sichtbar wird“, meinte Kurt Burandt. Über die bisher 112 ausgebildeten Lehrlinge in dem Langenhorner Unternehmen sagte er: „Wissen, können und wollen – das wurde hier konsequent umgesetzt und gelebt.“ Vertrauen und Verlässlichkeit in der Familie sowie bei Mitarbeiten und Kunden spielten eine große Rolle in dem Betrieb. „Hier wird in Generationen gedacht und geplant.“ Nis-Richard Richardsen sei bereit, seine Erfahrungen und seinen Wissensschatz mit der nachkommenden Generation zu teilen. Er wünschte dem Unternehmer auch weiterhin eine erfolgreiche Entwicklung. „Ich bin stolz auf das Flaggschiff in unserer Handwerkerschaft“, so der Kreishandwerksmeister.

Altbauten sanieren und energetisch auf Vordermann bringen

Über eine energetische Sanierung des Eigenheims nachzudenken, lohnt sich, besonders dann, wenn das Haus in die Jahre gekommen ist. Dreiviertel aller Häuser und Wohnungen wurden vor 1984 gebaut. Seinerzeit betrugen die Energiekosten nur ein Bruchteil von heute. Solaranlagen, alternative Heizsysteme, besondere Wärmedämmungen und gut isolierte Fenster spielten in der damaligen Zeit in der Bauplanung keine große Rolle.
Inzwischen sieht das anders aus: Wohl dem, der seine eigenen vier Wände fit für die Zukunft macht und dadurch viele Vorteile hat.
Wenn es um Energie-Einsparungen geht, ist das Unternehmen Nis-Richard Richardsen ein guter Partner. Die Firma ist Mitglied in der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) und bietet einen kostenlosen Energie- Check an. Außerdem verfügt die Zimmerei über das Modernisierungsprofi- Gütesiegel. Das Qualifizierungsprogramm wurde von namhaften Baustoffherstellern initiiert. Mit dem Gütesiegel ist das Unternehmen Partner im Energiesparnetzwerk, das gemeinsam mit anderen Partnern eine unkomplizierte Modernisierung der Altbauten von der Bestandsaufnahme und Planung über die Koordination verschiedener Gewerke bis hin zur Abnahme und Abrechnung der Leistungen ermöglicht.
Das schließt auch die Antragsstellung für finanzielle Förderungen von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ein. „Alles aus einer Hand“ – mit diesem Konzept sichert das Langenhorner Unternehmen den Kunden eine zügige Abwicklung der Modernisierungsarbeiten zu.

Husumer Nachrichten vom 23.09.2010
Bericht und Fotos: mone

Großes Gruppenfoto: Christine Wauer