Auf dem Holzweg zum Erfolg

Die Baubranche boomt. Und mit ihr das Zimmererhandwerk. Auch Holzhäuser liegen voll im Trend. Im nordfriesischen Langenhorn gibt es einen Betrieb, der sich auf beides versteht. Zu Besuch bei der Firma „Holzhäuser und Zimmerei Richardsen“.

Die Zeiten, in denen Nis-Richard Richardsen in Zimmermannskluft auf Baustellen herumkletterte, sind lange vorbei. Ein Besuch auf dem Betriebsareal der „Holzhäuser und Zimmerei Richardsen“ in Langenhorn in den grünen Weiten Nordfrieslands macht schnell klar: Hier hat man es mit einem Großen der Branche zu tun. Schon 1.000 Holzhäuser hat die Firma aufgestellt – größtenteils in der Region. Beim Gesprächstermin nimmt sich der Seniorchef Zeit, auch wenn zahllose Akten, Bauzeichnungen und Ordner im Büro von viel Arbeit zeugen. Der Betriebsgründer ist ein Handwerker, wie er im Buche steht. Bescheidenheit kombiniert mit großem Stolz auf seinen Berufsstand. „Ich würde alles noch mal so machen. Zimmermann ist ein unheimlich schöner Beruf“, sagt der 60-Jährige.

Start aus der Garage

1980 startete Richardsen als Ein-Mann- Betrieb in die Selbstständigkeit. Der Abbund, das Bearbeiten von Schnitt- und Rundholz für Tragwerk und Bauteile, erfolgte in einer 28 Quadratmeter großen Garage. Heute denkt der Handwerksunternehmer in größeren Dimensionen. „Anfang des Jahres haben wir die Holzhausfi rma und die Zimmerei zusammengelegt. Jetzt haben wir 99 Mitarbeiter bei einem Umsatz von deutlich über 10 Mio. €“, so Richardsen. Angesichts der beeindruckenden Zahlen verblüff t das beschauliche Treiben auf dem Betriebsgelände. Zehn große Hallen verteilen sich über das 40.000-Quadratmeter- Gelände. Aber nur wenige Mitarbeiter sind zu sehen. Die Erklärung ist einfach: Ein Bauunternehmen verdient sein Geld auf den Baustellen. Die Vorfertigung in den Hallen erfolgt durch vergleichsweise wenige Hände. Richtig Betrieb ist nur frühmorgens, wenn die Flotte von Lieferwagen und LKW für die Baustellen beladen wird.

Aufbauhilfe in Westberlin

Aber wie kommt ein Nordfriese darauf, Holzhäuser zu bauen? In den ersten Jahren habe er daran noch keinen Gedanken verschwendet, erzählt Richardsen. Sein Betrieb nahm Mitte der 80er Jahre Fahrt auf. „Über einen Bauleiter aus Nordfriesland erhielt ich viel und gut bezahlte Arbeit in Westberlin.“ Im Jahr 1987 beschäftigte er bereits 13 Mitarbeiter, elf davon in Berlin. Bis 1994 betrieb Richardsen ausschließlich die Zimmerei, die auf 30 Mitarbeiter anwuchs und deren Kerngeschäft nun in Nordfriesland lag. „Die Nachfrage nach Holzhäusern entstand erst Anfang der 90er Jahre, als dänische Firmen begannen, in Deutschland Holzhäuser zu verkaufen.“ Und damit kam auch Richardsen ins Geschäft. Seither fertigt sein Betrieb Holzhäuser in Rahmenbauweise. Wer an Richardsen denkt, denkt an Holzhäuser. Der Seniorchef ordnet diesen Ruf ein: „Man darf nie vergessen, dass 60 % des Umsatzes des zusammengelegten Betriebs von der Zimmerei erwirtschaftet werden.“

Aus der eigenen Jugend

99 Mitarbeiter – wie gelingt da die Fachkräftesicherung? „Das ist in der Tat nicht ganz einfach. Wir bilden jedes Jahr sechs neue Lehrlinge aus. Aktuell haben wir 15 Zimmerer-Lehrlinge.“ Richardsen ist Ausbilder aus Überzeugung. „Diejenigen, die bei uns die Lehre gemacht haben, sind unsere besten Poliere“, stellt er zufrieden fest. Die Betriebsentwicklung macht stolz – und zugleich nachdenklich. In vier Jahren möchte Nis-Richard Richardsen in den Ruhestand gehen. „Dann sollen meine beiden Söhne den Betrieb übernehmen.“ Bis dahin soll die Firma wieder etwas kleiner werden. 50 bis 60 Mitarbeiter hält der Seniorchef für eine gute Größe. Im hinteren Teil des Grundstücks hat er sich eine kleine Oase geschaff en, mit einem Wohnhaus im Grünen, dazu Koppeln für die Rinder, die er als Hobbylandwirt seit Jahren züchtet: schöne Perspektiven für ein Leben im Ruhestand.

Nord-Handwerk vom Oktober 2011
<< Andreas Haumann